Bitcoiner und Frugalismus

24.05.2026

Sind Bitcoiner alle Frugalisten?

Ein Family-Office-CFO und dreifacher Vater über den Unterschied zwischen Geiz, Sparsamkeit und echter Freiheit durch Bitcoin.

Aber bevor du weiterliest, hier ist nochmal die Definition, was ein sogenannter "Frugalist" ist: Ein Frugalist ist ein Mensch, der sehr sparsam lebt, einen Großteil seines Einkommens anlegt, es also für sich arbeiten lässt, und gleichzeitig auf unnötigen Konsum verzichtet, um sein Leben früher als andere zu genießen.

Jetzt, wo klar ist, was ein Frugalist eigentlich ist, zurück zur Frage, die mir schon länger im Kopf herumgeht: Sind Bitcoiner eigentlich alle Frugalisten? In der Community sieht man nämlich oft Leute, die bewusst auf viel Konsum verzichten, einen großen Teil ihres Einkommens investieren und trotzdem nicht wie arme Schlucker wirken.

Früher dachte ich selbst noch ganz anders. Jung und naiv dachte ich, ich muss einfach möglichst viel verdienen, etwas aufs Sparbuch legen und dann passt alles. Irgendwann später könnte ich vorzeitig in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Ganz nach dem Motto: "Ich verdiene viel Geld, deshalb muss ich nicht investieren und mir geht es auf lange Sicht trotzdem gut." Oh, welch ein Irrglaube.

Es ist nur die halbe Wahrheit. Es geht nicht primär darum, viel zu verdienen, sondern sein Geld richtig anzulegen – und vor allem seine Kaufkraft zu schützen. Ein hohes Einkommen vermittelt einem schnell: "Ich kann mir alles leisten." Und der Druck der Gesellschaft, dem Status eines Gutverdieners gerecht zu werden, ist gleich inklusive.

Wohlstand entsteht aber nicht dadurch, dass man möglichst viel ausgibt und einfach "etwas beiseite legt". Er entsteht, indem man möglichst viel richtig spart. Und das nicht auf dem Girokonto oder Sparbuch, sondern in echten Vermögenswerten mit Substanz – solchen, die keine Zentralbank einfach entwerten kann.

Also was kann man tun? Sobald ich mehr verdiene, ist das Erste, was ich mache: Ich erhöhe meine Sparrate 1:1. Nicht nur ein paar Euro mehr, sondern den gesamten zusätzlichen Betrag. Kein neues iPhone, kein besserer Tarif – einfach 1 zu 1 die Sparquote erhöhen. Konsequent und ohne Ausnahme.

Meine Frau findet das nicht immer prickelnd. Oft kommt dann der Satz: "Du investierst unser ganzes Geld!" Das hat hier und da schon für die ein oder andere angeregte Diskussion gesorgt – aber damit kann ich leben. (Ihr wisst ja gar nicht, was so neue Haushaltsgeräte kosten.)

Aber ich habe genug echte Gründe: Weil es zu unserem Besten ist. Weil Geld ein Werkzeug ist, um seine Kaufkraft und sein Vermögen zu schützen. Weil ich kein "Konsumsklave" sein will, sondern ein freier Mensch mit Plan und Ziel. Und diese Ziele bestimme ich!

Dieses Ziel lautet: Jeden Tag genießen und aktiv dafür sorgen, dass es auch in Zukunft so bleibt.

High Income, High Spender vs. High Income, Low Spender

Ein Frugalist ist für mich nicht der, der sich nichts gönnt und jeden Cent dreimal umdreht. Sondern jemand, der bewusst entscheidet, wofür er sein hart verdientes Geld ausgibt – und wofür eben nicht. Immerhin opfert der normale Mensch, oder Pleb wie ich gerne sage, einen Großteil seines Lebens dafür, für andere zu arbeiten. Er tauscht quasi sein wertvollstes Gut, nämlich seine Lebenszeit, in Geld.

Der Cantillon-Effekt macht das Ganze noch klarer: Wenn die Zentralbank neues Geld druckt, kommt dieses Geld nicht bei allen gleichzeitig an. Die Ersten, die es bekommen (Banken, Großkonzerne, Regierungen), können es noch zu alten Preisen ausgeben. Je weiter das Geld dann durch die Wirtschaft wandert, desto teurer wird alles für die Normalbürger. Deshalb bestraft das Giralgeld diejenigen, die brav auf dem Sparbuch oder Girokonto sparen – und begünstigt die, die dem frischen Geld am nächsten sind. Sparen in Euro ist langfristig gesehen langsam, aber sicherer Selbstmord für die eigene Kaufkraft.

Genau deshalb landen bei mir mehr als 80 % meiner monatlichen Sparrate in Bitcoin. Nicht weil ich mit den anderen Anlageklassen nichts anfangen kann, sondern weil es das wirklich einzige Asset ist, das keine Zentralbank einfach entwerten kann. Aktien können gesplittet werden, Gold kann aufgrund seines Wertes in der Gesellschaft und für Zentralbanken sehr einfach im Preis manipuliert werden.

Frugalität ohne Askese

Manche investieren viel und leben trotzdem gut. Aber ich sehe bei vielen von uns eine gesunde Rückbesinnung: Weniger Lifestyle-Inflation, mehr Fokus auf das, was wirklich zählt. Es geht nicht darum, sich nichts zu gönnen. Es geht darum, dass man die Freiheit hat, sich das zu gönnen, was einem wirklich wichtig ist – ohne ständig dem nächsten Konsum-Trend hinterherlaufen zu müssen und am Ende des Geldes noch sehr viel Monat übrig zu haben. Bewusst leben und das in Wert gespeicherte Geld dann für das auszugeben, was es wert ist, ausgegeben zu werden.

Als CFO meines eigenen Family-Offices und als Vater von drei Kindern ist es mir besonders wichtig, aus meinen Kindern Frugalisten zu machen, denen bewusst ist, dass Weniger oft Mehr ist.

Fazit Nicht jeder Bitcoiner ist automatisch ein Frugalist – und das muss er auch gar nicht sein. Aber Bitcoin belohnt diejenigen, die bewusst mit ihrem Geld umgehen, und bestraft langfristig die reinen High-Spender. Für mich persönlich ist genau das der Grund, warum ich lieber ein freier Mensch mit Plan bin als ein Konsumsklave.

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